Offener Brief an alle Stadträte und Bürgermeister der Stadt Augsburg
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren des Augsburger Stadtrates.
Die Mobilitätsdrehscheibe ist ein außergewöhnlich wichtiges Projekt für Augsburg. Schon in der Vergangenheit gab es immer wieder Diskussionen um einzelne Projekte der MDA, speziell der Umbau des Königsplatzes hat bereits in 2007 zu einem Bürgerbegehren mit anschließendem Bürgerentscheid geführt. Wir haben damals durch ein weiteres Bürgerbegehren versucht, das Ergebnis dieses Bürgerentscheides zu kippen. Der Faktor Zeit hat uns aber dazu bewogen, das Bürgerbegehren einzustellen, da sonst unserer Meinung nach die totale Konfussion entstanden wäre. Dies wiederum hätte zu weiteren Verzögerungen bei der Umsetzung der MDA geführt, was nicht in unserem Interesse lag.
Inzwischen haben wir das Ergebnis des Ideenwettbewerbes vorliegen, welcher einen autofreien Königsplatz vorsieht. Im vergangenen Jahr wurde von Herrn Merkle ein Plan erarbeitet, der in den letzten Monaten für sehr viel Diskussionen innerhalb der Bürgerschaft geführt hat. Inzwischen läuft sogar ein Bürgerbegehren für einen Tunnel unter dem Königsplatz, um dem MIV freie Fahrt zu verschaffen. Dieser Tunnel ist ein weiterer Kostenfaktor, zusätzlich würde er das Projekt MDA und hier den dringend notwendigen Umbau des Königsplatzes um weitere Jahre verschieben!
Erlauben Sie uns daher eine grundsätzliche Frage an Sie als Entscheidungsträger der Stadt Augsburg zu stellen:
Ist es erklärtes Ziel der Augsburger Verkehrspolitik, unnötigen Durchgangsverkehr in der Innenstadt zu unterbinden, Zielverkehr dorthin aber zu ermöglichen?
Zumindest Berichte in der Presse haben diesen Eindruck von solchen Absichten des Stadtrates vermittelt. Eine solche Absicht findet auch unsere Unterstützung, allerdings sind unserer Meinung nach die Pläne von Herrn Merkle in dieser Hinsicht nicht zielführend. Wir haben uns deshalb Gedanken darüber gemacht, welche Möglichkeiten es gibt, den unnötigen Durchgangsverkehr zu erschweren, aber gleichzeitig den Zielverkehr nicht zu behindern. Diese Gedanken wollen wir Ihnen nachfolgend aufzeigen. Zielverkehr in die Innenstadt umfasst unserer Ansicht nach das Gebiet zwischen Theodor-Heuss-Platz und Stadttheater in Süd-Nord-Richtung, und zwischen Graben und Hauptbahnhof in Ost-West-Richtung. Ausgehend von diesem Zielgebiet schlagen wir eine einfache – und wie wir meinen – akzeptable Lösung vor:
Verkehrsführung auf der Konrad-Adenauer-Allee wie bisher, ab Einmündung Hallstraße erfolgt die einspurige Führung hinüber auf die Schießgrabenstraße. Die Schießgrabenstraße selbst soll nicht mehr als Einbahnstraße geführt werden, sondern künftig in beide Richtungen befahrbar sein. Die Schaezlerstraße sollte ab der Kaiserhofkreuzung künftig Einbahnstraße in Süd-Nord-Richtung werden, und zwar bis zum Alten Einlass. Aus Richtung Klinkerberg sollte die Schaezlerstraße unverändert in Einbahnrichtung ebenfalls bis zum Alten Einlass geführt werden. Die kurze Holbeinstraße sollte künftig in umgekehrter Richtung – also West-Ost-Richtung – Einbahnstraße werden Die Fuggerstraße sollte so gestaltet werden, dass künftig am Stadttheater nur noch nach rechts in die Grottenau abgebogen werden kann.
Die genannte Verkehrsführung bietet ohne große Umbauten die Gewähr, dass die Geschäfte im angezeigten Bereich jederzeit durch den Zielverkehr erreicht werden können, während die Verkehre in andere Stadtteile oder Orte nur durch große Umwegfahrten die Innenstadt passieren können. Auch sind alle Parkhäuser in der Innenstadt bei diesem Konzept problemlos erreichbar.
Verkehre aus Richtung Haunstetten und Hochzoll können entweder über Remboldstraße – Forsterstraße – Graben – Leonhardsberg das Stadtzentrum erreichen, oder über die Konrad-Adenauer-Allee – Schaezlerstraße – (Holbeinstraße) – Karlstraße ans Ziel kommen. Letztere Variante bietet auch die Möglichkeit, ohne große Umwege den Hauptbahnhof zu erreichen.
Verkehre aus dem Norden der Stadt haben ebenfalls die Möglichkeit, alle Ziele in der Innenstadt zu erreichen, ohne große Umwege in Kauf nehmen zu müssen. Sowohl Hauptbahnhof wie auch alle Parkhäuser sind problemlos anzufahren. Das Straßenstück zwischen Halderstraße und der Einmündung Hallstraße sollte gegenläufig sein, damit Verkehre vom Hauptbahnhof in Richtung Haunstetten oder Hochzoll in die Schieß-grabenstraße gelangen können. Schleichverkehr im Beethovenviertel wird damit unnötig gemacht. Die Fuggerstraße sollte vom Alten Einlass her wie heute als Einbahnstraße zum Königsplatz geführt werden. Aus der Holbeinstraße sollte eine Querung der Fuggerstraße auf deren Ostseite möglich sein, um den Stadtmarkt und das Parkhaus am Ernst-Reuter-Platz ohne Umwege zu erreichen. Vom Königsplatz her kann die Fuggerstraße auf eine Fahrspur reduziert werden, um den im Ideenwettbewerb angedachten Boulevard realisieren zu können. Am Stadttheater sollte nur noch das Rechtsabbiegen zur Grottenau möglich sein, die Fahrspuren Richtung Volkartstraße sollten aufgelassen werden. Dadurch wäre auch ein großzügiger Platz vor dem Stadttheater möglich, welcher gleichzeitig einen guten Abschluß des Boulevards bilden würde.
Wir maßen uns nicht an, diese Lösung als die optimalste zu bezeichnen, sie wurde auch nicht von Bürgern entwickelt, deren Beruf die Verkehrsplanung ist. Es ist die Summe einfacher Erfahrungen im Alltag in diesem Bereich unserer Heimatstadt. Fast alle betroffenen Straßen würden hier wie bisher befahren werden können, lediglich ein kurzes Teilstück an der Südseite des Königsplatzes erhielte eine veränderte Verkehrsführung, ebenso der Teilbereich der Schaezlerstraße zwischen Königsplatz und Prinzregentenstraße. Ebenfalls geändert würde die Verkehrsführung der Holbeinstraße zwischen Schaezlerstraße und Fuggerstraße. Alle anderen Straßen im dargelegten Bereich würden unverändert in ihrer Verkehrsführung bleiben.
Der Zielverkehr käme bei dieser Variante ohne große Umwege zu seinem jeweiligen Bestimmungsort, für den Durchgangsverkehr wird die Benutzung der Nord-Süd-Achse uninteressant, da hier dann große Umwegfahrten notwendig werden. Es ist anzunehmen, dass in relativ kurzer Zeit die heute schon vorhandenen Alternativstrecken für Fahrten benutzt werden, deren Ziel nicht die Innenstadt von Augsburg ist.
Wir danken Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit, und wir hoffen, dass Sie die beste und richtige Entscheidung am 10. Juni 2010 treffen. Die Qualität des öffentlichen Nahverkehrs sollte auch in Zeiten leerer Gemeindekassen nicht aus den Augen verloren werden. Königsplatz und Hauptbahnhof werden täglich von tausenden Bürgern frequentiert, treffen Sie bitte über Parteigrenzen hinweg zukunftsweisende Entscheidungen für uns Nutzer des ÖPNV.
Augsburg am 31.05.10
Im Namen der Bürgerinitiative Mobilitätsdrehscheibe
Walter König und Heinz Landherr
Zur Veranschaulichung unseres Vorschlags fügen wir diese Skizze anbei.
